Nach Choquequirao sind wir noch zwei Tage weiter gewandert, wobei der anstrengendste Tag, wegen überragender Fehlorganisation, ohne Mittagversorgung verging und wir mit leeren Mägen und Trinkflaschen noch 700 Meter aufsteigen mussten. Belohnt werden wir aber mit der wunderbaren Landschaft, einem Campingplatz auf einem beschaulichen Bergbauernhof und einer Pause auf einer 50 stufigen Inkaterassenanlage, die unbedarft am Wegrand liegt.
Tags drauf finden wir uns am Abend zum Essen in einer kerzenbeleuchteten Komunalküche, die gleichsam Cuystall ist, ein. 20 - 30 der schmackhaften Nager sausen unter den Regalen, hinterm Herd und zwischen unseren Füßen her und fiepen bei jeder Gelegheit - für uns ein riesen Spaß! (Leider können wir nach fünf stromlosen Tagen nur noch blitzlose Fotos mit der Kamera machen).
Wenig später sitzen wir im ächsenden chinesischen Minivan und beginnen die schrägste Fahrt unserer bisherigen Reise.
Da es in der Region zu heftigen Unruhen gekommen ist und ein Jugendlicher von der Polizei bei Aufständen getötet wurde, wurden von der Bevölkerung Straßenbarrikaden errichtet. Die geplante Abholtour aus Cusco ist daher unmöglich. Um tagsüber nicht in die Konflikte zu geraten, hat unser Guia (Führer lässt sich einfach nicht gut lesen) eine Nachtfahrt organisiert. Um halb zwölf kommt der Wagen an, der dann in 30 Minuten mit Menschen und Gepäck derart vollgepackt wird, dass wir um die Achsen bangen. Neben unserer Trekkinggruppe kommen noch drei peruanische Touristen samt deren Guia und Gepäck mit. Im Auto sitzen auf den acht Sitzen 11 Personen, die die Rucksäcke, Zelte und Taschen auf dem Schoß haben, die nicht mehr auf das Dach, in den Kofferraum oder unter die Sitze passen. Mit 15 kmh fahren wir auf der schlechten Schotterpiste los. Bei den etlichen Bachquerungen oder stärkeren Steigungen wird noch 5 kmh gefahren. Jedoch gibt es aber noch eine Reihe von schwierigeren Gegebenheiten, bei denen sechs bis 10 Leute den Wagen verlassen müssen, da sonst kein Vorankommen mehr möglich ist. Wir müssen oft aussteigen und ein Stück gehen.
Kurz vor dem Pass entscheidet der Fahre, dass es mit halber Insassenzahl leichter ist und fährt schon mal 1,5 Km vor. So laufen wir zu sechst nachts um zwei Uhr über schneebedeckte Hänge und erarbeiten uns so den Pass mit knapp 4700 Metern. Nach dem Pass wird es besser und wir müssen nur noch selten laufen. Um halb vier haben wir 30 Kilometer hinter uns und die Straße wird etwas besser so dass wir zum Teil mit 30 Sachen dahin brettern. Um sechs Uhr morgens ist zwischen Bananen- und Kaffeeplantagen Schluss. Wir sind an einer Strassenblockade angelangt.
Der Wagen wird entladen und die beiden 18 jährigen Fahrer düsen zurück. Beim nächsten Haus quartieren wir uns im Hof ein und unsere Koch macht zwischen den Hühnern erstmal Spaghetti zum Frühstück. Mit unserem Gepäck am Rücken und Bauch marschieren wir los, der Koch, seine Frau und die gesamte Ausrüstung bleiben zurück. Nach einigen Kilometern können wir einen Teil der Strecke mit einem "Taxi" überbrücken. Die letzten 10 Kilometer laufen wir im einsetzenden Regen durch den Nebelwald entlang der Bahnstrecke um Macchu Picchu bis wir ziemlich erledigt gegen Mittag den Inkazirkus von Aguas Calientes erreichen.
- Daniel -
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