Samstag, 27. September 2014

Ich bin ein Star. - Holt mich hier raus.

Wie jeden Morgen band ich mir zunächst meine langen Haare mit einem Stück junger Liane aus dem Gesicht. Im Dschungel sind die Augen meine Lebensversicherung. Aus einem Palmenblatt war rasch ein schmucker Lendenschurz geknüpft und ich streifte mir den Köcher mit den Giftpfeilen über meinen trainierte Ruckenmuskulatur. Das Klettern in den den Baumriesen hat seine Spuren hinterlassen.
Dank meines Kameradens Tian war der Köcher seit kurzem mit Anakondahaut bespannt. Auf der Suche nach Sumpfkrebsen hatte mich das Biest erwischt. Nur durch den unerschrockenen Einsatz Tians, der den sechs Meter langen Würger mit einem sehr langem Halsschnitt mit seiner Machete erledigte, konnte mein Leben gerettet werden.
Nur noch das Langmesser und ich war bereit. Nun konnte mein täglicher Kampf in der grünen Hölle des Madidi beginnen.

Unsere Realität im Dschungelcamp sieht etwas anders aus. Unsere Lebensversicherung heißt David und ist ein witziger Tacna-Indigena mit Poloshirt und Turnschuhen. Morgens bewaffnen wir uns mit Insektenschutz und langer Kleidung - die Gefahren gehen weniger von Schlangen und Jaguaren, als von Riesenarmeisen und Moskitos aus.
Zwei unserer vier Nächte verbringen wir mit einem Moskitozetz geschützt auf dem dem Boden in einfachen Lagern mitten im Wald. So haben wir die Gelegenheit auf Wanderungen neben unzähligen medizinisch nutzbaren Pflanzen (Abtreibungsnuss des Mahagoni, der Keimling der Wildbanane hilft gegen Fusspilz, ein Tee aus der XY-Palme beseitigt Magenparasiten...) auch immer wieder scheue Tiere zu sehen, wie Klammer-, Kapuziner- und Brüllaffen (die zurecht so heißen).
Nachts stoßen wir auf Taranteln und Blattschneideameisen, wir beobachten
Aras in einer Nistkolonie, hören nachts den Jaguar und sehen seine und die Spuren vom Tapir am Flussufer. Wir bestaunen riesige Ameisen- und Termiten burgen in den Bäumen und leuchtend blaue Schmetterlinge. Die fauchenden Geräusche von verschiedenen Insekten wie des Schnupfenkäfers, dessen Sekret wie Nasentropfen eingesetzt wird, und allerlei Warungen, wie die vor dem Nachtfalter, der seine Eier auf Kleidungsstücke ablegt und dessen winzige Larve dann in die Haut eindringt und dort heranwächst, verwundern uns.
David geizt auch nicht mit Geschichten (der Blick einer Schwangeren kann Schlangen töten) und zeigt uns die Funktion der riesigen Zuckerrohrpresse, die in den Dörfern immer noch per Hand betrieben wird.
Am Ende der Tour bauen wir ein Floß und fahren auf dem Tuichi zurück Richtung Zivilisation.
Also nicht ganz "Giftpfeilköcher", aber fast.

- Daniel -

1 Kommentar:

  1. Nein, ich werde nicht mit einem Pfahl getötet, sondern trinke aus einer Liane.
    - Daniel -

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