Völlig überraschend bringen die bislang unbekannten Regisseure Weber und Bruning noch vor Weihnachten ihr cineastisches Debüt auf die Leinwand.
Die Handlung ist schnell erzählt und scheint zunächst in ihrer Einfachheit kein Stoff für einen Film mit Überlänge herzugeben: Zwei Reisende - S. und D. - machen sich auf, um in den Weiten der patagonischen Landschaft einige Tage die unberührte Natur Torre de Paines zu durchwandern. Mehr passiert augenscheinlich nicht. Das schreit danach, unendlich langweilig für den Zuschauer zu werden.
Und doch ist es ganz anders. WeberBruning führen uns in eine atemberaubende Naturkulisse, die zum Abbild der Befindlichkeit der beiden Reisenden wird. Wenn sie sich zu Anfang über eine offene Steppe gegen den Wind stemmen, wenn sie sich trotz Regen um sechs aus ihrem Zelt quälen, um Stunden später vor einem majestätischen Gletscher zu stehen, wenn sie unerschrocken jede Steigung bezwingen und dann mit dramatischen Ausblicken belohnt werden, die man nicht enden lassen möchte, dann wird die Landschaft zur Emotion, die Emotion wird zur Landschaft.
Zudem umreißen die Regisseure mit scheinbar banalen Gesprächen der Protagonisten in ergreifender Weise eine Symbolwelt für das Leben schlechthin. Schnell begreifen wir, dass es nur fordergründig um Essenszubereitung geht, wenn sich S. und D. auf einem Baumstamm hockend darüber unterhalten, ob sie am Abend den Knoblauch roh oder doch lieber gedünstet ins Kartoffelpüre gegeben sollen. Ferner nutzen WeberBruning zahlreichen Filmzitate, um die persönlichen Reifungsprozesse der Protagonisten noch präziser zu formulieren und erreichen damit eine nie dagewesene Tiefe des Genrekinos. So erkennen wir in dem toten Wald die mystischen Landschaften von Tim Burton wieder, den aufgewühlte Wolkenhimmel hat Jim Jarmusch doch schon mal gezeigt und die expressionistischen Bergzacken erinnern stark an die fantastischen Kulissen von Wienes " Dr. Caligari".
In einem furiosen Finale erklimmen die Wanderer dann eine letzte Höhe und stehen plötzlich vor gewaltigen Felstürmen. Die Seelenlandschaft hat ihren Höhepunkt erreicht.
Mit einem befreiten Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein klingt der Film dann aus und entlässt den Zuschauer hoffungsvoll, glücklich und bereichert.
Wir sehen betroffen den Vorhang zu und diesmal nicht alle Fragen offen.
Ausser vielleicht wieviele Preise diese Meisterwerk in Cannes wohl erhalten wird.
- Daniel -
Verdammt... Da kann ich nicht mithalten. Großartiger Beitrag!
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