Dienstag, 16. Dezember 2014

Zwei Meter pure Ignoranz

Eine der vielen Begegnung in Puerto Williams mit einem Reisenden war für uns besonders eindrucksvoll.
J. stolperte am Abend in unser Schlafzimmer - also in die Wohnküche des Hostals. Wir kamen ins Gespräch, das unweigerlich bald auf das Thema des Wegkommens fiel. J. guckte überrascht von oben runter.

"Wieso ist das schwierig?
Ich wollte einfach versuchen zu trampen."

Es erstaunte ihn, dass er sich auf einer Insel befand. Es erstaunte ihn auch, dass Ushuaia ebenfalls auf einer Insel ist, also dass Feuerland sogar eine Insel ist und damit das Trampen sich gegebenenfalls schwierig gestalten könnte. Wir gaben ihm den Tipp, sich um sein Wegkommen zu bemühen.

Wir trafen ihn ein zweites Mal am nächsten Tag, er hatte einen kräftigen Sonnenbrand im Gesicht. Er hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass die Sonne hier so stark sein kann.

Wir trafen ihn ein weiteres Mal. Er war der dritte Flüchtling auf dem Boot.
Als ich ihn fragte, welchen Preis er ausgemacht hat, war er ahnungslos und kurz danach überrascht, wie hoch er ist.
Es war auch eine neue Informationen für ihn, dass die Überfahrt bis zu acht Stunden dauern kann. Er hatte mit einer gerechnet, war ihm doch nicht klar, dass unser Ziel 65 Km weiter westlich lag und wir gegen den Wind fahren müssen.

Die meiste Zeit der Überfahrt hockte er dann in der Kajüte und blätterte in einem Reiseführer, während Sebastian und ich es kaum glauben konnten, wie toll die Fahrt über den Beagelkanal mit seiner grandiosen Kulisse und dem Abendlicht ist.
Nach der Ankunft und den Formalitäten um drei Uhr nachts wollte er dann lieber noch eine Unterkunft suchen, als auf die Möglichkeit, an Bord zu schlafen, zurückzugreifen.

Wir waren nicht allzu traurig.

- Daniel -

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