Freitag, 19. Dezember 2014

I want my money back

Am vierten Tag in Bs As - wie man hier Buenos Aires abkürzt - waren wir mal wieder auf der Straße Geld wechseln. Wie sonst auch gingen wir mit dem Wechsler an einen Ort abseits der Straße. Den ersten Schein akzeptierten sie nicht und gaben ihn uns zurück. Der zweite verschwand für den Bruchteil einer Sekunde unterm Tisch - und dann wollten sie ihn auch nicht tauschen. Daniel hat sofort verstanden,  dass der Dollarschein gegen einen falschen ausgetauscht war und beschwerte sich laut, daß es nicht derselbe Schein sei. Erst wurden wir ignoriert, aber als Daniel nicht aufhörte, wechselten sie dann doch den Dollarschein in Pesos.
Davor haben wir aber ein paar schöne Tage verbracht und waren im  Museum für lateinamerikanische Kunst, auf dem Friedhof auf dem Eva Peron begraben ist, im Hafenviertel La Boca und in der Innenstadt, wo vorm Präsidentenpalast bis heute die Mütter für die Aufklärung der Verbrechen an ihren während der Militärdiktatur verschollenen Kindern demonstrieren. Und natürlich sind wir durch Palermo gegangen, das Viertel, in dem wir wohnen. Hier gibt es an jeder Ecke schöne Cafés,  Buchhandlungen und Designerläden.
Es ist es eine tolle urbane Stadt - ganz anders als alle anderen argentinischen Städte, die wir vorher gesehen haben, die im Vergleich eher langweilig waren.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Tschüß Chile

Chile zu verlassen, war zwar nicht leicht, und wir wollten ja dringend nach Ushuaia kommen, um unsere Heimreise anzutreten, aber es ist auch schade, daß die Reise in Chile vorbei ist. Im Süden war die Reise mehrfach schwierig, weil das Wetter nicht mitspielte oder Schiffe nicht existierten,  von denen wir dachten, daß sie uns zu entlegenen Orten bringen würden. Die Chilenen haben uns aber immer ganz viel geholfen, unsere Reise trotzdem fortzusetzen - sei es, daß uns jemand beim Trampen 400 km mitgenommen hat, oder daß uns jemand sein Handy geliehen hat, damit wir einen Flug umbuchen konnten. Landschaftlich ist das Land wunderschön und abwechslungsreich,  da es sich von der Atacamawüste bei Bolivien bis nach Kap Hoorn  kurz vor der Antarktis zieht.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Zwei Meter pure Ignoranz

Eine der vielen Begegnung in Puerto Williams mit einem Reisenden war für uns besonders eindrucksvoll.
J. stolperte am Abend in unser Schlafzimmer - also in die Wohnküche des Hostals. Wir kamen ins Gespräch, das unweigerlich bald auf das Thema des Wegkommens fiel. J. guckte überrascht von oben runter.

"Wieso ist das schwierig?
Ich wollte einfach versuchen zu trampen."

Es erstaunte ihn, dass er sich auf einer Insel befand. Es erstaunte ihn auch, dass Ushuaia ebenfalls auf einer Insel ist, also dass Feuerland sogar eine Insel ist und damit das Trampen sich gegebenenfalls schwierig gestalten könnte. Wir gaben ihm den Tipp, sich um sein Wegkommen zu bemühen.

Wir trafen ihn ein zweites Mal am nächsten Tag, er hatte einen kräftigen Sonnenbrand im Gesicht. Er hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass die Sonne hier so stark sein kann.

Wir trafen ihn ein weiteres Mal. Er war der dritte Flüchtling auf dem Boot.
Als ich ihn fragte, welchen Preis er ausgemacht hat, war er ahnungslos und kurz danach überrascht, wie hoch er ist.
Es war auch eine neue Informationen für ihn, dass die Überfahrt bis zu acht Stunden dauern kann. Er hatte mit einer gerechnet, war ihm doch nicht klar, dass unser Ziel 65 Km weiter westlich lag und wir gegen den Wind fahren müssen.

Die meiste Zeit der Überfahrt hockte er dann in der Kajüte und blätterte in einem Reiseführer, während Sebastian und ich es kaum glauben konnten, wie toll die Fahrt über den Beagelkanal mit seiner grandiosen Kulisse und dem Abendlicht ist.
Nach der Ankunft und den Formalitäten um drei Uhr nachts wollte er dann lieber noch eine Unterkunft suchen, als auf die Möglichkeit, an Bord zu schlafen, zurückzugreifen.

Wir waren nicht allzu traurig.

- Daniel -

Montag, 15. Dezember 2014

"Aber ich will gar kein Abenteurer mehr sein"

Nach unserer langen Wanderung durch den Torres del Paine, haben wir beide umgehend einige Gänge zurück geschaltet. Ausklang der Reise war angesagt. Ganz ruhig. Nur noch schnell eine paar Pinguine stalken und dann auf das Boot durch die Magellanstrasse und den Beagelkanal bis zur südlichsten Stadt der Welt. Rasch übersetzen und am nächsten Tag dann mit dem Flugzeug nach Buenos Aires.
Es kam etwas anders.

Die 30 stündige Fahrt bis nach Puerto Williams mit dem Frachtschiff war wirklich ein tolles Erlebnis trotz des mauen Wetters. Gletscher, die Darwin Kordillere, Wale in der Magellanstrasse und dann noch durch den Beagelkanal bis zur größten und einzige  Stadt der Provinz Kap Hoorn - das war schon schön.

Unser Abholservice, der uns zur Überfahrt nach Ushuaia in Argentinien bringen soll, von wo am nächsten Tag unser Flug nach Buenos Aires geht, erscheint nicht. Auch an der angegebenen Busstation taucht niemand auf. Zudem sehen wir im Ort nur ein paar versprengte Bauarbeiter, niemand weiß etwas. Gegen 10 Uhr ist jedwede Hoffnung geschwunden. Eine Agentur öffnet und wir erfahren, das heute kein Boot fährt. Es ist zu windig. Nichts zu machen. Und nun? Morgen geht unser Flug.
Wir gehen zum Yachthafen. Man sagt, ein John Cano soll ggf. noch übersetzen und könnte noch Passagiere mitnehmen. Dort erfahren wir, das heute nichts mehr geht - der Hafen in Ushuaia ist zu. Die Option zu fliegen zerschlägt sich auch schnell - in vier Tagen ist der nächste freie Flug.
Inzwischen sind auch einige Leute in der Stadt unterwegs. Man kommt ins Gespräch. Seid vier Tage kommt so gut wie niemand mehr hier weg. Viele Touris versuchen alles - nichts zu machen. Und morgen ist Sonntag, da möchte hier eh niemand arbeiten - egal wie das Wetter ist, das reguläre Boot wird nicht fahren. Nichts zu machen.
Wir sehen also beim schönsten Wetter unsere Felle Richtung Kap Hoorn davon schwimmen - im Hintergrund die schneebedeckten Felsspitzen der Dientes de Navarino.
Wir buchen also unseren Flug auf Dienstag um (30 Minuten Telefonat mit einem geliehenen Telefon, da mit unseren nichts zu machen ist) und geben in Buenos Aires Bescheid, das wir später kommen. Dann taucht wieder eine Möglichkeit auf: John Cano fährt vielleicht heute Nacht. Wir geben einer einer Gabriela, die den Kontakt hat, unsere Pässe, falls es schnell gehen muss mit den Ausreisestempeln. Eigentlich wollten wir doch gar kein Abenteur mehr haben.

Nun brauchen wir eine Bleibe. Im ersten Hostal ist nichts zu machen. Also weiter. Hostal 2 - 6: Nichts zu machen. Die Touris stapelen sich in der Stadt, da neue mit der Fähre ankommen, aber so gut wie niemand von der Insel weg kann. Hostal 7 - 9 - auch nichts zu machen. Und nun?
Am Hafen sehen wir ein Campingschild, aber unsere Campingsachen haben wir vor drei Tagen verkauft und verschenkt. Aber wir können uns ein Zelt von einem ebenfalls Verzweifelnden, den wir schon ein paar Mal auf der Reise getroffen haben, leihen. Nun gut, wenn nichts anderes geht. Der Campingplatz ist jedoch nur ein schmaler Vorgarten von einem Hostal. Die Wirtin Cecilia knutscht und herzt uns erstmal: "da ist was zu machen - schlaft in der Küche auf den Bänken am Ofen." Noch ein Knutscher, eine Umarmung, die Deutschlandfahne wird für die Weltmeister rausgekramt, immerhin haben wir ja den Nachbarn besiegt. Herzlich willkommen. Wir sind erleichtert.
In dem kleinen Hostal findet sich am Abend dann eine Gruppe von Gestrandeten ein, die Stimmung ist gut und Galgenhumor das Gebot der Stunde.
Mit den Pässe bekommen wir  von Gabriela die Info, das John Cano nicht heute, aber vielleicht dann morgen um 10 fährt.
Die Bänke sind erstaunlich bequem in dieser Nacht.

Das Wetter ist fantastisch - die Info von der Marine nicht: der Hafen ist immer noch zu. Den ganzen Tag. Nichts zu machen.
Es weht eine angenehme Brise.

Dann können wir wenigstens spazieren gehen. Aber nach einer Stunde wird Sebastian unruhig, was ist wenn der Hafen doch öffnet und John Cano dann fährt. Der eh schon schwache Wind lässt ja stetig nach. Wir gehen zurück zum Hostal ich jedenfalls, Sebastian rast eher. Vielleicht dreht er jetzt durch? Der Hafen ist doch den ganzen Tag geschlossen.
Als ich am Hostal ankomme, verabschiedet sich Sebastian gerade von John Cano. Unglaublich. Der Hafen ist auf, um zwei soll es losgehen.
Um drei geht es zum Hafenamt, unsere Namen werden notiert. Auslauferlaubnis doch erst für sechs. Um halb sechs soll es zur Migracion gehen, damit wir pünktlich los kommen.

Um zehn nach sechs ist Sebastian dann die 34. Runde umsHaus gelaufen. Ich zeige äußerlich eine Zenhülle, innerlich laufe ich im Schleudergang. Nichts zu machen. Gerade als wir die Hoffnung begraben wollen, fährt Patricio Cano vor, der Bruder von John. Auf zur Migracion. Die Pässe werden gestempelt.
Mit John und Patricio und einem weiteren Flüchtling gehen wir im Hafen an Bord des kleinen Seglers und verlassen um sieben Uhr Puerto Williams. Nicht zu fassen.
Vom kleinen Motor angetrieben tuckern wir 7 Stunden entlang des Beagelkanals, dessen Wasser fast glatt ist - es geht eine leichte Briese. Ein Sonnenuntergang, zu schön um wahr zu sein. Dazu Tapas und ein Bier. Und plötzlich frei von jeder Anspannung.

Um zwei kommen wir in Argentinien an. Jetzt noch schnell die Einreise im Hafenamt klären. Die Polizisten schalten für uns den Fehrnseher an. Hallenhockeyfinale, Pakistan gegen Deutschland.
Nachts um kurz vor drei auf Feuerland hören wir unsere Nationalhymne. John Cano und sein Bruder sitzen neben uns. Wir sind froh, doch noch einmal Abenteuerer gewesen sein zu dürfen.

- Daniel -

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Gräber und Pinguine

Von Punta Arenas geht heute unser Schiff nach Puerto Williams, der südlichsten Stadt auf unserer Reise. Punta Arenas liegt an der Magellanstraße und war bedeutend bevor der Panamakanal gebaut wurde. Die Wollproduktion in der Umgebung machte die Stadt reich, was man an manchen prunkvollen Häusern in der Stadt und üppigen Gräbern auf dem Friedhof sehen kann. Wir haben eine Tagestour nach Feuerland unternommen, um eine Gruppe Königspinguine zu sehen, die ansonsten nur in der Antarktis vorkommen. Auf dem Weg haben wir Guanacos gesehen, die vierte Kamelart in Südamerika neben Lama, Alpaka und Vicuna. Bei der Überquerung der  Magellanstraße ist ein schwarzweißer Delfin neben der Fähre geschwommen.

Sonntag, 7. Dezember 2014

So weit so gut

2 Wochen bleiben uns noch bevor wir nach Deutschland zurueckkommen und da haben wir mal den bisherigen Reiseverlauf in die Karte eingetragen. Weitgehend haben wir gemacht, was wir uns vorher ueberlegt hatten. Von den Bootsfahrten hat bisher keine geklappt wegen schlechten Wetters, oder weil wir keinen Platz mehr im Boot bekommen haben. Eine Chance haben wir noch, und zwar die Fahrt von Punta Arenas nach Puerto Williams durch die Magellanstrasse. Wir sind aber auch bei dieser Fahrt vom Wetter abhaengig, weil wir nicht von Puerto Williams nach Buenos Aires fliegen, sondern von Ushuaia, das zwar nur 7 km weiter auf der anderen Seite des Beagle Kanals liegt, der aber bei starkem Wind nicht ueberquert werden kann. Heute sieht die Wettervorhersage ganz gut aus, aber wir werden erst in 6 Tagen uebersetzen, was in Patagonien zu lange fuer eine Wettervorhersage ist - das Wetter wechselt hier stuendlich von Sturm zu Sonnenschein - es bleibt also mal wieder spannend.


Wetterwanderungen

Völlig überraschend bringen die bislang unbekannten Regisseure Weber und Bruning noch vor Weihnachten ihr cineastisches Debüt auf die Leinwand.
Die Handlung ist schnell erzählt und scheint zunächst in ihrer Einfachheit kein Stoff für einen Film mit Überlänge herzugeben: Zwei Reisende - S. und D. - machen sich auf, um in den Weiten der patagonischen Landschaft einige Tage die unberührte Natur Torre de Paines zu durchwandern. Mehr passiert augenscheinlich nicht. Das schreit danach, unendlich langweilig für den Zuschauer zu werden.
Und doch ist es ganz anders. WeberBruning führen uns in eine atemberaubende Naturkulisse, die zum Abbild der Befindlichkeit der beiden Reisenden wird. Wenn sie sich zu Anfang über eine offene Steppe gegen den Wind stemmen, wenn sie sich trotz Regen um sechs aus ihrem Zelt quälen, um Stunden später vor einem majestätischen Gletscher zu stehen, wenn sie unerschrocken jede Steigung bezwingen und dann mit dramatischen Ausblicken belohnt werden, die man nicht enden lassen möchte, dann wird die Landschaft zur Emotion, die Emotion wird zur Landschaft.
Zudem umreißen die Regisseure mit scheinbar banalen Gesprächen der Protagonisten in ergreifender Weise eine Symbolwelt für das Leben schlechthin. Schnell begreifen wir, dass es nur fordergründig um Essenszubereitung geht, wenn sich S. und D. auf einem Baumstamm hockend darüber unterhalten, ob sie am Abend den Knoblauch roh oder doch lieber gedünstet ins Kartoffelpüre gegeben sollen. Ferner nutzen WeberBruning zahlreichen Filmzitate, um die persönlichen Reifungsprozesse der Protagonisten noch präziser zu formulieren und erreichen damit eine nie dagewesene Tiefe des Genrekinos. So erkennen wir in dem toten Wald die mystischen Landschaften von Tim Burton wieder, den aufgewühlte Wolkenhimmel hat Jim Jarmusch doch schon mal gezeigt und die expressionistischen Bergzacken erinnern stark an die fantastischen Kulissen von Wienes " Dr. Caligari".

In einem furiosen Finale erklimmen die Wanderer dann eine letzte Höhe und stehen plötzlich vor gewaltigen Felstürmen. Die Seelenlandschaft hat ihren Höhepunkt erreicht.
Mit einem befreiten Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein klingt der Film dann aus und entlässt den Zuschauer hoffungsvoll, glücklich und bereichert.

Wir sehen betroffen den Vorhang zu und diesmal nicht alle Fragen offen.
Ausser vielleicht wieviele Preise diese Meisterwerk in Cannes wohl erhalten wird.

- Daniel -