Montag, 10. November 2014

Casa crazy - nocturne III

Um unsere Spuren möglichst zu verwischen, haben wir rüber gemacht (ist ja gerade "Mauerjubiläum"). Einmal in der Woche brauchen wir einfach chilenisch - argentinische Grenzkontrollen. Diesmal wurden wir zumindest mit dem schönsten Grenzposten Südamerikas für die bürokratische Prozedur entschädigt. Prachtvulkan und Andenfüchse.

In San Martin de los Andes wartet dann schon Mario auf uns. Mario, im flotten Hausanzug gekleidet, bietet uns am Busbahnhof ein Zimmer seiner Pension an. Wir willigen ein, da wir gerade in Pucon auf ähnliche Weise gute Erfahrungen gesammelt haben. Während wir zur angegebenen Adresse mit unserem Gepäck laufen, düst Mario im Auto an uns vorbei.
Das Zimmer ist nett, der Preis angemessen und der rüstige Rentner gibt sich alle Mühe - wir bleiben. Um den geschlossenen Vertrag zu feiern,  holt Mario den Mate raus, so kommen wir auch noch in den Genuss des sozialen Klebstoffes der Argentinier. Während Becher und Strohhalm mit dem bitteren Tee die Runde machen, erläutert er uns seine Familienverhältnisse. Geschieden, zwei verheiratete Kinder und nun dient das Familienhaus zur Aufbesserung der Rente als Hostel. So sitzen wir auch mitten in seinem Wohnzimmer und schlafen im ehemaligen Kinderzimmer. Als Gäste aus dem Elternschlafzimmer kommen, lobt er ausgiebig die wunderbare Jugend und das zarte Wesen der jungen Irin. Etwas zu ausgiebig. Sie, ihr Freund und wir sind etwas peinlich berührt.
Als wir am Abend spät zurückkommen,  sitzt Don Mario im Dunkeln und wundert sich abermals, dass wir auch spanisch sprechen. Er ist wohl etwas angetrunken. Nachts um drei ist er dann ganz betrunken. Das Tischdecken zu dieser Zeit versuchen wir noch zu ignorieren,  als aber einige Dinge in der Küche runterfallen und Stühle gerückt werden, sind wir beide wach. Beim Gang ins Bad - wenn man schon mal wach ist - sehe ich die arme Wurst vor seinem Herd sitzen und die offenen Gasflammen anstarren. Daneben eine Flasche Fernet.
Ich finde zum Glück wieder in den Schlaf, aber Mad Mario gibt Alles, damit das Sebastian nicht mehr gelingt, u.a. wird um halb vier die Funktionalität des Fernsehers nochmal überprüft. Als er dann am morgen noch laut schnarcht, es erst kein Frühstück deswegen gibt und er uns dann später noch ignoriert, da zunächst Matetrinken mit neuen Gästen ansteht, reicht es uns und wir wechseln, unter einem Wasserfall der Entschuldigungen von Mario, das Hostel.
Am Abend erfahren wir noch von Bronagh und Colm, den Iren, dass Mario, nur mit einem Handtuch bekleidet, plötzlich in ihrem Zimmer stand, um sich aus dem Schrank frische Kleidung zu nehmen. Da bekommt der Ausdruck Familienpension noch eine ganz andere Dimension.

Ach so, im Übrigen waren die fünf Tage Argentinien in San Martin, Angostura und Bariloche sehr schön. Wir haben uns Räder geliehen, sind Sessellift gefahren,  hatten spektakuläre Busstrecken, einen Arrayanenwald und tolle Landschaften am laufenden Band. Und die beste Schokolade der ganzen Reise.
- Daniel -

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